Transport normalspuriger Güterwagen auf der Museums-Eisenbahn

Nachteil der Schmalspur - kein durchgehender Güterverkehr
Aus Kostengründen (Gleismaterial, Grunderwerb) wurden viele Kleinbahnen in Schmalspur ausgeführt. Dies hatte jedoch den Nachteil, dass alle Güter am Übergang zur normalspurigen Staatsbahn umgeladen werden mussten. Solange die Personalkosten niedrig blieben, war dies kein finanzielles Problem, allerdings kostete der Umladevorgang auch Zeit und nicht jedes Ladegut übersteht einen Umladevorgang ohne Qualitätsverlust. Daher war man schon bald bestrebt, die Umladung zu vermeiden und die normalspurigen Güterwagen mit geeigneten Hilfsfahrzeugen direkt auf der Schmalspur weiterbefördern zu können. Dazu entstanden zwei Konstruktionen: Rollböcke und Rollwagen.

Rollböcke
Rollböcke sind im Grunde genommen schmalspurige Hilfsdrehgestelle, die unter die normalspurigen Achsen gesetzt werden. Dazu werden in einer Rollbockgrube, deren Außenwände normalspurige Schienen tragen, die Rollböcke auf einem in der Grube liegenden Schmalspurgleis unter die Achsen der normalspurigen Fahrzeuge geschoben. Durch hochklappbare Führungsgabeln werden die Rollböcke beim anschließenden Herunterziehen des Normalspurwagens von der Grube durch die normalspurige Achse mitgenommen. Am hinteren Ende der Grube senkt sich das Normalspurgleis ab und die Achsen des normalspurigen Wagens setzen sich mit ihren Spurkränzen, den Führungswulsten an den Innenseiten der Räder, auf den Rollböcken ab.

Zum Schluss werden bei den hier eingesetzten HSA-Rollböcken Befestigungsklauen in die Innenseiten der Räder des aufgebockten Wagens eingesetzt und verschraubt, so dass der Normalspurwagen fest mit den meterspurigen Rollböcken verbunden ist. Eine andere Befestigungsmöglichkeit sind z.B. Achsklammern, wie sie auch die ausgestellten Görlitzer Rollböcke Nr. 169 und 170 aufweisen.

Die aufgebockten Wagen werden mit den eigenen Kupplungen bzw. mit Kuppelstangen an den Rollböcken zu Zügen verbunden. Zum Bremsen müssen bei gebremsten Rollböcken noch zusätzliche Luftleitungen verlegt werden oder in den Zug werden spezielle Bremswagen wie der DEV Zwischenwagen 162 eingestellt. Der Umsetzvorgang erfordert dadurch viel Handarbeit und dauert recht lange, durch den hohen Schwerpunkt der aufgebockten Wagen waren bei schlechter Gleislage auch Entgleisungen zu befürchten.

Normalspuriger Güterwagen auf Rollböcken

Abb.: Normalspuriger Güterwagen auf Rollböcken

Rollwagen
Beim Rollwagenbetrieb werden die normalspurigen Fahrzeuge unmittelbar auf sehr niedrig gebaute schmalspurige Transportwagen mit einer durchgehenden normalspurigen Schiene geschoben. Dieser Betrieb weist gegenüber Rollböcken eine Reihe von Vorteilen auf: so ist der Fahrbetrieb weniger problematisch, der Umladevorgang ist weniger arbeitsintensiv und schneller zu bewerkstelligen. Allerdings sind Rollwagen auch schwerer und in der Anschaffung teurer als Rollböcke.

Normalspuriger Güterwagen auf einem Rollwagen

Abb.: Normalspuriger Güterwagen auf einem Rollwagen

Rollbock-Denkmal am Bahnhof Asendorf

Abb.: Rollbock-Denkmal am Bahnhof Asendorf

Rollbock-Betrieb bei der Kleinbahn HOYA-SYKE-ASENDORF ...
Auch die Kleinbahn HOYA-SYKE-ASENDORF führte den Güterverkehr von 1942 bis zu seiner Einstellung mit Rollböcken durch. Von der Staatsbahn kommende, regelspurige Güterwagen wurden in HOYA und SYKE, später auch in BRUCHHAUSEN-VILSEN, auf je einen Rollbock pro Radsatz verladen. So konnte das aufwendige Umladen der Güter in schmalspurige Wagen entfallen und die normalspurigen Güterwagen wurden direkt auf der Schmalspurstrecke bis Asendorf weiterbefördert. An diesen Betrieb erinnert heute ein Rollbock-Denkmal mit aufgesetzter normalspuriger Achse am Bahnhof Asendorf.

... und auf der Museums-Eisenbahn

Auf der Museums-Eisenbahn kann aber auch heute noch Rollbock- und Rollwagenbetrieb vorgeführt werden. Im Bahnhof Bruchhausen-Vilsen zweigt die meterspurige Strecke nach Asendorf von der heute normalspurigen Strecke zwischen Eystrup, Hoya und Syke ab. Es treffen also schmalspurige Gleise mit einem Schienenabstand von einem Meter mit normalspurigen Gleisen mit einem Schienenabstand von 1,435 m zusammen. Ein Teil der Bahnhofsgleise ist dreischienig ausgebaut, so dass man diese Gleisbereiche sowohl mit meterspurigen als auch mit normalspurigen Fahrzeugen befahren kann.


Vorführung von Rollbock-Betrieb im Bahnhof Bruchhausen-Vilsen Vorführung von Rollwagen-Betrieb im Bahnhof Bruchhausen-Vilsen

Abb.: Vorführung von Rollbock- und Rollwagen-Betrieb im Bahnhof Bruchhausen-Vilsen

Etwa in der Mitte des Bahnhofs Bruchhausen-Vilsen befindet sich zwischen den Gleisen eine kombinierte Rollbock- und Rollwagengrube. Mit Hilfe dieser Grube kann man normalspurige Eisenbahnwagen auf meterspurige Rollböcke aufbocken oder auf Rollwagen verladen und diese dann in schmalspurige Züge einstellen. Zu einer Reihe von Sonderveranstaltungen wird dieser Umsetzbetrieb für die Museumsbesucher vorgeführt und normalspurige Güterwagen fahren z.B. an den Tagen des Eisenbahnfreundes in besonderen Fotogüterzügen mit. Gelegentlich werden auf diese Weise aber auch normalspurige Güterwagen mit Materialsendungen für die Gleisbaurotte nach Heiligenberg gefahren.

V 29 bringt Normalspurwagen auf Rollwagen nach Heiligenberg, Photo: Holger Hohenkamp

Abb.: V 29 bringt im Februar 2003 einen Schienentransport mit Normalspurwagen auf Rollwagen nach Heiligenberg,
Photo: Holger Hohenkamp

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