Anlässlich der Festwoche 60 Jahre Museums-Eisenbahn besuchen einige Gastfahrzeuge befreundeter Vereine und Institutionen den DEV und werden sich im Rahmen des Betriebes an den Festwochenenden und bei den Fototagen präsentieren. Eine Gelegenheit, diese Fahrzeuge auch mal auf ungewohnten Pfaden zu erleben!
187-001 "T1" der Harzer Schmalspurbahnen
Zur Zeit der aufkommenden Konkurrenz des Autobusses beschaffte die Gernrode-Harzgeroder Eisenbahn AG (GHE) für die Selketalbahn aus Rationalisierungsgründen 1933 einen zweiachsigen Triebwagen von der Waggonfabrik Dessau, den sie als T1 bezeichnete. Er ersetzte vor allem schwach ausgelastete, dampfgeführte Personenzüge.
1949 übernahm die Deutsche Reichsbahn die Strecken und Fahrzeuge der NWE und GHE von der Sowjetunion. Der Triebwagen erhielt die Nummer VT 133 522 und wurde auf der in den Jahren 1946 – 1950 weitestgehend wieder aufgebauten Selketalbahn eingesetzt.
Nachdem der Triebwagen 1989 nach erfolgter Aufarbeitung wieder in Betrieb genommen wurde, steht er wieder für Sonderfahrten als historischer Triebwagen "T1" zur Verfügung. So gelangte er 1993 zur HSB und wird auch dort weiter für Sonderfahrten genutzt.
Dampflok "Rur" von kleinbaan-service
1888 bildete sich in Düren ein Gründungsausschuss zum Bau und Betrieb einer Dampfstraßenbahn für den Güterverkehr von Düren nach Birkesdorf. Am Samstag, dem 1. April 1893 erfolgte die Inbetriebnahme der Bahn, zunächst nur für den Güterverkehr. Die Aufnahme des Personenverkehrs verzögerte sich bis zum 1. Juni 1894.
An Betriebsmitteln für den Güterverkehr waren zur Betriebseröffnung am 1. April 1893 zunächst vorhanden: 2 Lokomotiven, 1 G-Wagen, 1 O-Wagen, 11 Rollwagen. "Behufs Verstärkung der Reserve und Bewältigung des durch die hinzugekommenen Anschlüsse vermehrten Verkehrs" wurde 1899 eine vierte Kastenlok beschafft. Im August 1899 lieferte Henschel & Sohn, Cassel, die "neue Trambahn Locomotive mit Oberflächen Condensator Fabrik No. 5276 mit Namen "Rur" mit sämtlichen zugehörigen Ausrüstungsgegenständen" für 19.200 Mark an die Dürener Dampfstraßenbahn.
Am 16. Juni 1942 wurde die "Rur" an den größten Anschließer der DEAG - die Reflex-Papier-Fabrik F. H. Schoeller GmbH in Birkesdorf – verkauft. Dort war sie vor werksinternen Strohzügen und zum Rangieren der aufgeschemelten Normalspurgüterwagen eingesetzt. 1943 wurde die "Rur" zur feuerlosen Lokomotive umgebaut, dabei wurden alle für den Einsatz als Speicherlok nicht mehr benötigten Bauteile – Abdampfkondensator, Wasserkästen, Kohlenkasten, Speisepumpen, Körting-Doppelsauger etc. – entfernt. In dieser Form war sie bis Ende der sechziger Jahre werksintern im Einsatz und überlebte damit die Betriebseinstellung der DEAG am 30. Juni 1965 um mehrere Jahre.
Im Oktober 1972 wurde die "Rur" von der Papierfabrik Schoeller dankenswerterweise der Selfkantbahn überlassen. Eine fest geplante Aufarbeitung scheiterte immer wieder an den hohen Kosten und es blieb bei einem behelfsmäßigen Neuanstrich Anfang der 1980er Jahre. Erst 2013 ergab sich eine Möglichkeit die Lok aufzuarbeiten. Der Kleinbahnfreund Wim Pater mit seiner Firma Kleinbaan Service B.V. erklärte sich bereit, die Lok auf seine Kosten komplett und professionell aufarbeiten zu lassen und anschließend der Selfkantbahn kostenlos für Einsätze zu überlassen. Im September 2013 wurde die Lok an Wim Pater verkauft und zur Aufarbeitung abgeholt. Im Rahmen der umfangreichen Restaurierung hat die "Rur" einen neuen Kessel bekommen und auch der Abdampfkondensator wurde rekonstruiert. Im September 2025 wurde die "Rur" wieder in Betrieb genommen.
Dampflok 86 1744 der PRESS
Die Lok 86 744 gehörte zu einer Serie von 28 Maschinen, welche 1942 von der Maschinenbau und Bahnbedarf A.-G., vormals Orenstein & Koppel, geliefert wurden. Sie wurde bereits als Übergangskriegslok mit verschiedenen Vereinfachungen gefertigt, die Fabriknummer lautete 13759.
Im Jahr 1970 erfolgte die Umzeichnung in 86 1744-1. Anfang 1991 wurde die Lok an die Mindener Museumseisenbahn (MEM) verkauft, wo sie im März eintraf und für sechs Jahre abgestellt verblieb. Im Herbst 1994 wurde die 86er von Minden nach Preußisch Oldendorf überführt. Im Rahmen einer betriebsfähigen Aufarbeitung kam 86 744 dann 1997 ins Dampflokwerk Meiningen, wo verschiedene Arbeiten an Fahrwerk und Kessel durchgeführt wurden.
Im Herbst 1998 wurde die Lok schließlich nach erfolgreicher Probefahrt bei der MEM in Betrieb genommen. Der erste offizielle Einsatz fand am 3.Oktober 1998 zwischen Preußisch Oldendorf und Bohmte statt. Anfang 2017 wurde die 86 744 an die MTEG - Muldental Eisenbahnverkehrsgesellschaft mbH, gehörig zur Firmengruppe der PRESS, verkauft.
Neoplan-Bus N 4021, ex BSAG, Bremen
Am zweiten Festwochenende dreht der Neoplan N 4021 der "Freunde der Bremer Straßenbahn e.V." in Bruchhausen-Vilsen seine Runden. Im Jahr 1988 zugelassen hat das Fahrzeug bis zum Jahr 2003 seinen Dienst bei der BSAG in Bremen verrichtet, die in diesem Jahr ihr 150 jähriges Bestehen feiert. Nach seiner Abstellung wurde er zuerst im Depot Gröpelingen und dann 2009 im Depot Sebaldsbrück zur späteren musealen Aufarbeitung hinterstellt und diente dort als Ausstellungsstück. Seit 2019 wurde das Fahrzeug von Vereinsmitgliedern wieder vollständig aufgearbeitet und steht seit 2024 für den Einsatz als Museumswagen zur Verfügung. In diesem Jahr hat der Bus als erster Linienbus überhaupt das FIVA-Oldtimer-Zertifikat erhalten.
Der Oldtimer wird einen Ringverkehr durch den Historischen Ortskern von Bruchhausen-Vilsen über den Bahnhof Heiligenberg und das Forsthaus fahren. Begleitet wird diese Tour durch einen Stadtführer, der Ihnen den Ort und seine Geschichte näher bringen wird.
